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Wenn das Jahr dem Ende zugeht

Der November kommt. Schon morgen ist es so weit.

Im Kirchenjahr zeichnet der November das Ende des Jahres und mit dem Dezember, dem Advent, beginnt eine neue Zeit. Eine Zeit, die die Ankunft des Herrn ankündigt.

 

Ich blicke auf ein Jahr zurück, das von Ringen, Warten und Aushalten geprägt war. Meine Scheidung hat sich aus bürokratischen Gründen sehr lange hingezogen, obwohl nichts weiter zu klären war. Das tat weh.

Mein neuer Partner und ich wollten endlich weitergehen und das Alte abschließen, doch so richtig war das nicht möglich, ohne dass auch ein rechtlicher Schlußstrich unter meiner Ehe war.

Enthaltsamkeit zu leben war schwer und musste trainiert werden. Ich musste jeden Tag, in jeder Situation, eine neue Entscheidung dafür treffen, obwohl ich verstehe, warum Gott sich das von uns wünscht.

Finanziell war es ein intensives Jahr, weil wir zwei Wohnungen und zusätzlich zwei Übernachtungen pro Monat für Hotelzimmer zahlen mussten.

 

Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass ich keinem eine Scheidung empfehle. Wenn du glaubst, dass dir das Befreiung bringen wird oder das Leben leichter macht, dann kann ich dir ganz klar Nein dazu sagen. Es ist ein Verlust. Wie wenn ein geliebter Mensch stirbt. Und es ist kein schneller, plötzlicher Tod, sondern ein langsames, qualvolles Sterben. Und der Schmerz über den Verlust bleibt, egal, was danach kommt. Wenn es also einen Weg gibt, deine Ehe zu retten, dann geh diesen Weg mit Gott. Wie schwer er auch sein mag, eine Ehe zu beenden, ist schwerer.

 

Ich möchte aber auch sagen, dass es Hoffnung im Scheitern gibt.

Eine Ehe besteht meiner Erfahrung (und meiner theologischen Recherche auch laut Schirrmacher) aus drei Säulen: Treue, Vertrauen und Liebe.

Es gibt Ehen, die sind kaputt. Durch Ehebruch in erster Linie. Die Treue zueinander ist bereits zerstört. Das Vertrauen, in den anderen, wird zerstört. Und wenn dann auch die Liebe noch verloren geht, gibt es nichts mehr, was die Sünde zudecken kann.

Gott kann dem allen Herr werden. Aber Gott ist kein Träumer. Er ist Realist. Gott ist gerecht. Er sieht nicht über das, was wir getan haben, hinweg. Nicht darüber, was wir anderen antun. Nicht darüber, was wir uns antun. Nicht darüber, was andere uns antun.

Er hört unsere inneren Schreie, Wutausbrüche, Flüche. Er hört unser Weinen in der Nacht, wenn wir heimlich auf der Toilette verschwinden, wenn wir im Auto zusammen brechen.

Er sieht bis in unser Herz. Er sieht uns.

Er weiß, warum wir was tun, selbst, wenn wir es nicht wissen.

Und es ist ihm ein Anliegen, dass wir ehrlich und authentisch leben und ihm vertrauen. Es ist ihm ein Anliegen, dass wir eine Ehe führen, die ihn ehrt, in der wir den anderen lieben wie uns selbst.

Und wenn das nicht der Fall ist, wenn wir uns in der Situation, in der wir sind, nicht entwickeln, dann nimmt er uns aus der Situation heraus. Denn Gott hasst Scheidung, er hasst die Sünde, aber er liebt uns. Er will, dass wir wieder zu seinem Ebenbild werden.

Und dafür - so ist meine Erfahrung mit ihm - lässt er geschehen, was es dafür braucht. Wir nehmen das Gute und das Schlechte aus Gottes Hand (vgl. Hi 1,22).

 

Nun bin ich am Ende angelangt. Ich bin geschieden. Das werde ich bleiben und das kann ich nicht ablegen. Das habe ich getan.

Und trotzdem gehe ich in eine neue Zukunft. Mit Gott und mit meinem Partner, der mittlerweile mein Verlobter ist. Ich sehe das Licht nach dem Schatten. Ich sehe, dass Gott mich durch das tiefe Tal geführt hat.

Der letzte Teil war als würde ich einen Berg heraufsteigen, bei dem alles im Nebel liegt. Ich wusste nicht, ob, wann und wie das Ende kommt.

Und dann plötzlich war es da. Und jetzt stehe ich auf der Spitze des Berges. Nah an Gott. Sehe die Sonne und das Licht und es tut gut.

 

Ich freue mich, dass der vergangene Lebensabschnitt hinter mir liegt. Ich danke Gott, dass er mich da durchgebracht hat und noch immer da ist. Und mit Gott da durch zu gehen, hat mich viel gelehrt und hat mich verändert.

 

Ich empfehle es jedem Paar, das nicht verheiratet ist, enthaltsam zu leben. Auch wenn ihr schon zusammen lebt, wenn ihr bald heiraten wollt, nehmt das auf euch. Schlaft nicht mehr miteinander, zieht auseinander, bittet Gott um Vergebung, dass ihr bereits Dinge getan habt, die eigentlich Ehepaaren vorenthalten sind.

 

Warum genau das sinnvoll ist, erklären Markus Voss und seine Frau in diesem Video genauer.

 

Meine persönliche Erfahrung dazu ist folgende:

Es ist so eine Bereicherung für die Beziehung! Mein Partner und ich waren bereits zusammen gezogen, weil ich meine alte Familienwohnung nicht mehr bezahlen konnte und auch, weil ich mit ihm zusammen ziehen wollte. Wir haben bereits miteinander geschlafen. Das Alles hat in unserem Umfeld einiges an Konflikten ausgelöst. Wir hatten liebevolle und weniger liebevolle, aber klare Menschen an unserer Seite, die uns ins Gewissen geredet haben.

Und weil wir beide ehrlich Nachfolge leben wollten und uns vor allem damit inhaltlich beschäftigt haben, wie Gott sich das Leben vorstellt, sind wir auch durch sein Wort dazu gekommen, dass Jesus die Ehe wichtig ist. 

Deshalb haben wir uns dann im ersten Schritt entschieden wieder ganz auseinander zu ziehen. Wir haben aber weiterhin miteinander geschlafen. Bis auch das in unser Herz gesickert ist.

Im letzten Jahr haben wir dann angefangen auch das durchzuziehen. Was nicht leicht war, da wir ja bereits miteinander verbunden waren und zusätzlich noch eine Fernbeziehung hatten.

Das beeindruckende aber war, dass durch die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema, mit unseren Gefühlen und Gedanken, das Ringen um diese Beziehung und ob es uns das wert ist! uns an "so viele Regeln" zu halten, unsere Beziehung immer mehr an Tiefe gewann. Wir mussten auf einmal kreativ werden Nähe, Liebe und Zuneigung miteinander zu teilen. Wir konnten Sex nicht als "Konfliktablenkung oder -lösung" nutzen (wer kennt die Folge von How I met your Mother, in der die Freundesgruppe eine Liste für Gründe für Sex schreibt und nur einer davon Liebe ist). Und wir haben uns sehr intensiv mit Gottss Wort auseinander gesetzt, denn ich konnte mich gar nicht damit abfinden, dass Gott das so will und so mussten wir sehr tief und vor allem immer wieder von Grund auf in dieses Thema einsteigen.

 

Ich bin mehr als dankbar für diese Zeit. Es hat die Beziehung zu Gott vertieft. Es hat die Beziehung zu meinem Partner gefestigt. Es hat mir gezeigt, wie herausfordernd ich als Mensch tatsächlich bin und wie schwer es andere oft mit mir haben. Ich habe gelernt, wie ich mir selbst in Zweifeln, im Ringen, im Ungehorsam gegen Gott begegnen kann. Und mein Anker dabei war immer, dass ich Jesus ehrlich nachfolgen will. Dass das mein tiefster Herzenswunsch über allem anderen ist, hat immer dazu geführt, dass ich die Dinge trotzdem gemacht habe, dass ich nicht meinem eigenen Willen gefolgt bin, dass ich immer wieder nach Gott gesucht habe. Das ist eine solche Erleichterung. So gewinnt man den Kampf gegen sich selbst und alles andere.

 

Und nun freue ich mich auf den neuen Lebensabschnitt.

Wir planen nur eine kleine Hochzeit im Familien und engsten Freundeskreis. Und es sind so viele schöne Kleinigkeiten dabei, die es besonders machen. Gestern hat unsere Goldschmiedin uns ein Video geschickt, wie sie die Ringe hergestellt hat. Das hat uns so sehr berührt diesen Prozess zu sehen. Wir haben einen bereits bestehenden Ring verwendet, um daraus zwei neue Ringe machen zu lassen.

Und wir selbst sind mit Gott durch genau so einen Prozess gegangen. Er hat aus etwas Altem, Unbrauchbaren, etwas Neues geformt, das so wunderschön ist, dass sich der ganze Prozess der Zerstörung "gelohnt" hat.

 

 

"Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet.

Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer

 Gerechtigkeit und Heiligkeit."

Epheser 4,22-4