In der Woche nach Pfingsten durfte ich im Rahmen meines zehnwöchigen Praktikums in der EFG Zwickau-Planitz zum Bibeltext aus Johannes 16,5-7 + 12-15 predigen. Ich empfehle den Abschnitt vorher zu lesen.
Heute möchte ich davon Zeugnis geben wie Gott in meinem Leben gewirkt hat und dann den Text aus Johannes 16 betrachten.
An einem der vielen Tiefpunkte meiner ersten Ehe, nach Jahren des Ringens, Gebets und vergeblicher Versuche, die Beziehung zu retten, brauchte ich Abstand, um wieder Orientierung zu finden. Ich fuhr 2018 für eine Woche allein in die Berge nach Österreich. In Tirol gibt es einen Ort namens Zams, den ich früher oft mit meinem Vater besucht habe. Es ist dort wirklich schön. Die Alpen umrahmen das Tal und wer den Berggipfel erklimmen möchte, kann mit einer Seilbahn ein Stück hinauffahren.
An einem der Tage wollte ich den Venet, auf dem das Gipfelkreuz steht, besteigen, und machte mich auf den Weg. Es war relativ nebelig und ich war allein auf der Strecke unterwegs. Auf dem Weg hoch zum Gipfel lichteten sich die Wolken. Die Sonne kam heraus und ich konnte über die wunderschöne Alpenlandschaft schauen.
Das Gipfelkreuz ist ein einfaches Holzkreuz, das schon viele Jahre dort steht. Nicht besonders beeindruckend, aber doch am höchsten Punkt des Berges gelegen. Ich setzte mich zu Füßen dieses Kreuzes und packte meine Bibel aus. Und dann fragte ich Gott, was ich nun tun soll, wie es denn mit der Ehe weitergehen sollte. Und Gott sprach zu mir.
Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Gottes Stimme wahrnahm und verstand. Vor diesem Moment glaubte ich zwar an den lieben Gott im Himmel, aber mir war nicht bewusst, dass er tatsächlich eine Person war. Ein Gegenüber, das mir antworten konnte, mit dem ich in Beziehung treten kann.
Bis zu diesem Moment war Glaube für mich anscheinend eher ein abstraktes Konstrukt. Ich glaubte an Gott – aber es war ein Glaube des Verstandes, nicht des Herzens. Ich wusste von ihm, wie man von einer historischen Figur weiß, aber ich hatte ihn noch nicht erlebt wie ein lebendiges Gegenüber. Das, was mich in die Gemeinde zog, war die Gemeinschaft mit anderen Christen, es gab viele liebevolle Menschen, die mich so annahmen wie ich war, es gab viel zu lachen, oft gutes Essen, ich mochte die Musik und dass man einander half. Aber es war nicht Gott, der mich in die Gemeinde zog.
Dass die Gemeinde so ist, weil da tatsächlich eine Person dahinter steht, die für das alles verantwortlich ist, das war mir nicht bewusst. Weil ich Gott nie persönlich erlebt hatte.
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich ziemlich erschrocken war, dass ich da plötzlich jemanden hörte, der gar nicht sichtbar da war. Dass da eine fremde Stimme in mein Herzen hinein sprach. Fremd und doch so vertraut, dass ich sofort wusste, wer da sprach.
Ich habe mich so erschrocken, dass ich aufsprang und die Flucht ergriff. Auf dem Rückweg sind mir sogar noch meine Wanderschuhe kaputt gegangen, sodass ich mit nackten Füßen durch den kalten Schnee am Berghang lief und dann den ganzen Wanderweg wieder zurück.
Aber nichts davon störte mich, nichts von all dem war relevant, denn ich hatte Gott getroffen.
Was da an diesem Tag wirklich geschehen ist, ist nur nach und nach in mein Bewusstsein gesickert, aber mein Denken veränderte sich von diesem Tag an, radikal. Niemand konnte mir mehr erzählen, dass es Gott nicht gibt. Und ich zog eine Konsequenz aus dieser Begegnung, denn wenn es diesen Gott wirklich gibt, dann muss alles, was in der Bibel steht auch wahr sein. Dann muss es eine Wahrheit geben.
Und so begann ich zum ersten Mal richtig Bibel zu lesen - vier Jahre nach meiner Taufe. Ich suchte wirklich nach Gott. In seinem Wort, im Gebet. In den Predigten im Gottesdienst begann ich auf seine Worte zu hören und nicht auf die des Predigers.
Und ich muss sagen, ich war überrascht und unterwältigt, weil ich feststellte, dass viele Menschen in meinem Umfeld, die sich als Christen bezeichneten, gar nicht das taten, was in der Bibel stand. Ich merkte plötzlich, wie oberflächlich oder unreif der Glaube anderer teilweise war. Das war sehr irritierend. Denn ich war ja kein Gemeindekind und deshalb dachte ich, dass diejenigen, die schon lange in der Gemeinde sind und all die Geschichten kennen, natürlich auch eine intensive Beziehung zu Jesus haben und dass alles, was sie sagen auch richtig ist.
Aber ich entdeckte beim Bibellesen immer mehr Unterschiede zwischen dem Leben der Christen um mich herum und dem Leben, das Jesus für seine Nachfolger bestimmt hat. Das führte mich bis dahin, dass ich nicht mehr nur in baptistischen Kreisen unterwegs war, sondern mir andere Gemeinden anschaute, Predigten im Internet hörte und mir Literatur besorgte. Ich war wirklich auf der Suche nach Gott.
Nach der Geburt meiner Tochter 2019 hatte ich dann eine Depression. Die blieb lange unentdeckt und ich wusste selbst auch nicht, was mit mir los war. Alles, was ich wusste, war, dass ich mich an Gott halten muss. Ich war wie ein Kind, dass weiß, dass es seine Eltern braucht, wenn es Angst hat oder traurig ist. Und ich habe in der Zeit sehr viel gebetet. Nicht sehr spezifisch. Also ich hatte keinen Plan. Aber ich wusste, wenn mir einer helfen kann, dann Gott.
Und eines Tages saß ich im Gottesdienst in einer FEG Gemeinde in Leipzig und der Pastor laß in seiner Predigt aus dem Hebräerbrief. Er laß aus Kapitel 11, 1: “Was ist denn der Glaube? Er ist ein Rechnen mit der Erfüllung dessen, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von der Wirklichkeit unsichtbarer Dinge.”
Den Text haben die meisten von euch vermutlich schon vorher irgendwo mal gehört und hoffentlich auch selbst gelesen. Ich auch. Doch in dem Moment spürte ich etwas Warmes vom Himmel herab auf meinen Kopf fließen. Als hätte mich jemand mit Öl begossen. Und ich wusste: Jetzt ist alles anders. Jetzt bin ich gesund. Und tatsächlich wurde die Depression stetig weniger.
Und plötzlich verstand ich auch die Bibel nochmal ganz anders und neu:
Ich hatte Hunger danach mehr zu lesen und zu lernen, die Worte der Bibel gaben mir Kraft. Ich verstand, dass die Worte der Bibel wahr waren und dass jede Wahrheit in Gottes Wort zu finden sein muss. Und versteht mich bitte richtig, es ist schon klar, dass da nicht steht, wie eine Pflanzenzelle aufgebaut ist oder wie der Treibstoff in die Rakete kommt. Ich meine keine detaillierten wissenschaftlichen Fakten – obwohl man die an der ein oder anderen Stelle auch findet. Ich meine, Grund legende wahre Aussagen, ein festes Fundament, auf dem das Leben gebaut werden kann.
Ich hatte die Erkenntnis, dass das, was da steht, wirklich geschehen und somit echte Geschichte ist. Wie die Friedliche Revolution, die mit zum Mauerfall in Deutschland geführt hat.
Ich hatte die Erkenntnis, dass die Menschen, die darin beschrieben wurden, wirklich gelebt hatten. Wie Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther King, die durch ihr Handeln die Gesellschaft ihrer Zeit mit geprägt.
Ich hatte die Erkenntnis, dass die Gebote, die Konsequenzen, die Ratschläge, alle hilfreich sind und man sich an sie halten sollte, wenn man so leben will, dass das Leben gelingt. Wie es mit Verkehrsregeln ist, damit man von der Polizei nicht verwarnt werden muss oder einen Unfall baut.
Heute muss ich darüber staunen, wie blind ich vorher gewesen war. Dass das für mich nicht schon vorher klar war. Aber vorher glaubte ich eben wie eine Kind, das noch nicht alles erfassen kann. Doch mit diesem Moment wurde mein Glaube reifer und ich begann Verantwortung für mich und mein Leben zu übernehmen.
Vorher glaubte ich zwar, dass es so etwas wie Wahrheit und Gerechtigkeit gibt, aber ich konnte noch nicht erfassen, was das wirklich bedeutet. Ich denke, dass damals in dem Gottesdienst zwei Dinge passiert sind, die auch unabhängig voneinander geschehen können:
Erst hat Gott mich mit dem Heiligen Geist getauft. Das ist eine einmalige Erfüllung wie sie in Apostelgeschichte 1,5 angekündigt wird und in der Pfingstgeschichte eintritt. Den Heiligen Geist bekommt man einmal und er bewirkt, dass ich nun mit Gewissheit sagen kann, dass ich gerettet bin. Die Taufe mit Wasser hatte ich ja bereits durchgeführt, aber die Taufe mit dem Heiligen Geist stand bei mir noch aus. Das Geschehen an sich muss dabei aber nicht so stark empfunden werden, wie bei den Jüngern oder mir. Aber man spürt schon eine Veränderung.
Und zweitens wurde ich an diesem Tag mit der Gabe des Glaubens gesalbt. Diese Gabe bezieht sich auf eine übernatürliche, vom Heiligen Geist geschenkte Fähigkeit. Sie wird in 1. Korinther 12,9 erwähnt und stärkt den Glauben in besonderer Weise. Sie ist eine spezifische Gabe für den Dienst. Also ich habe diese Gabe nicht für mich selbst erhalten, sondern um andere zu stärken und zu ermutigen.
Mit diesem Erlebnis wäre es vielleicht folglich sinnvoll an dieser Stelle über die Gaben des Geistes zu predigen. Doch ich habe mich bewusst für den Text aus dem Johannesevangelium in Kapitel 16 entschieden, zu dem ich nun konkreter kommen möchte. Dort geht es nämlich um etwas Grundlegendes, das jeder in der Gemeinde verstehen sollte. Es geht darum, wer der Heiligen Geist ist und was er bewirkt.
Als Menschen brauchen wir oft etwas Sichtbares und Fühlbares an unserer Seite. Wir sind materiell in dieser Welt verankert. Mit Leib und Seele spüren wir die Dinge dieser Welt. Wenn wir traurig sind, dann brauchen wir eine Umarmung. Wenn wir uns freuen, wollen wir einem anderen Menschen davon erzählen und ihr Lachen sehen. Die Nähe zu anderen Menschen tut uns sehr gut. Und so ging es auch den Jüngern mit Jesus.
Eine sehr lange Zeit waren sie mit Jesus beisammen und er hatte sie gelehrt, ihnen mit Rat und Tat beiseite gestanden und sie hatten mit ihm gelacht und das Brot geteilt. Doch nun kommt Jesus an den Punkt seines Lebens, wo er ihnen sagt, dass er sie verlassen wird.
Wie wir gehört haben, steht im Text, dass Jesus sagte: “Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du?, sondern weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt.”
Als Jesus ankündigt, dass er die Jünger verlassen wird, werden sie traurig, weil er dann nicht mehr bei ihnen ist.
Weiter heißt es: “Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.”
Ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich.
Das altgriechische Wort für Wahrheit ist ἀλήθεια (ausgesprochen: alḗtheia). Vom griechischen Wort λήθη (lḗthē), was “Vergessen” heißt. A-lethe-ia wie Un-vergessen.
Kennt ihr diese Momente, in denen euch etwas, das ihr schon wusstet, aber vergessen hattet, wieder einfällt? Jemand hatte euch schon erzählt, dass er nächste Woche in den Urlaub fährt, und als ihr nachfragt, was er denn am Mittwoch macht, fällt es euch wie Schuppen von den Augen? Ich schäme mich dann oft so ein wenig, weil ich ja eigentlich schon wusste, was die Antwort ist.
Als ich auf diesem Berg war und Gott zu mir sprach, war es als würde es mir wieder einfallen. Achja, stimmt ja. Gott ist ja nicht nur ein Bild, eine Erzählung. Er IST. Wie konnte ich das nur vergessen?
Und das seltsame daran ist, dass ich es vorher niemals gewusst habe, denn ich habe ihn ja in diesem Leben zum ersten Mal sprechen hören, habe ihn zum ersten Mal getroffen. Aber als er zu mir sprach, war es ein Wiedererkennen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das in jedem Menschen liegt. Dass das die Ebenbildlichkeit des Menschen ist. Es ist wie in einen Spiegel zu schauen und jemanden wieder zu erkennen. Als Kind eurer Eltern erkennt ihr vielleicht Wesenszüge eurer Eltern in euch wieder oder andere sagen so etwas wie: “Du sieht deinem Vater aber wie aus dem Gesicht geschnitten.” Manchmal hat man das auch mit anderen nahen Verwandten. Das kann schön sein, aber auch sehr unangenehm. Wenn ich sehr wütend bin, dann merke ich, dass meine Gesichtszüge sich anfühlen, wie mein Opa oft aussah, wenn er sehr wütend war.
Und in diesem Moment auf dem Berg, da erkannte ich mein Gegenüber. Da erkannte ich, dass diese Stimme Gott gehört und dass Gott wahr ist.
Interessanterweise hat mich das erschreckt. Gottes Ebenbildlichkeit in mir hat mich erschreckt. Aber ich wusste, dass es wahr ist.
Wahr von Wahrheit. Wahrheit als das Sichtbarwerden des sich zeigenden und deshalb wirklichen Tatbestandes. Klingt für mich als ehemalige Polizistin so ein wenig nach Kriminalistik. Wenn Kriminalisten einen Fall lösen, dann ermitteln sie den wahren Tatbestand. Sie verfolgen eine Sache bis an ihren Anfang.
Wenn wir an den Anfang des Wortes aletheia gehen, finden wir im Alten Testament das hebräische Wort אֱמֶת emet oder auch amat. Dieses Wort kann auch mit Treue übersetzt werden.
Das zeigt, welche Art von Wahrheit gemeint ist. Wenn Kriminalisten den wirklichen Tatbestand ermitteln, geht es auch um moralische Kategorien, um richtig und falsch. Aber wenn man Wahrheit und Treue miteinander betrachtet, dann bezeichnet aletheia eine Wirklichkeit, die sich als zuverlässig, beständig und tragfähig erweist.
Würdet ihr auch sagen, dass man Dinge, die zuverlässig, beständig und tragfähig sind, als nützlich bezeichnen könnte?
Erinnert ihr euch? Jesus sagte “ich sage euch die Wahrheit: es ist euch nützlich”.
Man könnte sinngemäß auch sagen: Ich sage euch etwas, das Bestand hat: Es ist für euch von Vorteil.
Etwas, das Bestand hat, etwas, das wahr ist. Das Neue Testament spricht wie das Alte Testament in erster Linie von Wahrheit im Blick auf die Wirklichkeit Gottes, sein Reden und Handeln. Sein Reden und Handeln das Bestand hat und das für uns von Vorteil ist.
Die Wahrheit Gottes ist nach dem Neuen Testament in der Person und Geschichte Jesu Christi offenbar geworden. Das Evangelium von Jesus Christus ist das Wort der Wahrheit und der Jesus verherrlichende Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit.
Um diesen Geist der Wahrheit geht es auch in dem Bibeltext. Jesus sagt, “wenn ich nicht von euch wegginge, käme der Helfer/ der Beistand nicht zu euch; wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden”.
Das Wort für Heiliger Geist ist Parakletos. Das griechische Wort Παράκλητος (Paráklētos) wird im Neuen Testament mit „Helfer“, „Beistand“ oder „Tröster“ übersetzt. Bei den klassischen griechischen Schriftstellern bezeichnet es den juristischen Berater, den Fürsprecher, den Mittler und auch den Anwalt. Jemanden, der für einen anderen oder als dessen Stellvertreter vortritt und eintritt. So wird Jesus Christus in 1. Johannes 2,1 unser Beistand, unser stellvertretender, fürbittender und vermittelnder Anwalt vor Gott genannt.
Jesus selbst nennt den Heiligen Geist übrigens den allos parakletos, den anderen Beistand. Das bedeutet, dass der Heilige Geist ein zweiter Beistand von gleicher Qualität ist.
Jesus hätte auch sagen können, dass der Heilige Geist ein heteros parakletos ist. Heteros von verschieden. Hetero, Mann und Frau. Dann wäre der Heilige Geist ein anderer von verschiedener Qualität.
Er ist aber von gleicher Qualität, also so, als wäre Jesus Christus selbst mitten unter uns. Man könnte sagen, der Heilige Geist ist für den einzelnen Glaubenden der Stellvertreter Christi, in dem Christus selbst gegenwärtig ist. Er steht uns in jeder Lage bei und hilft. Er vertritt uns im Gebet vor Gott.
Einen kleinen Unterschied zwischen Jesus und dem Heiligen Geist gibt es aber doch. Denn diese beiden sind eins und doch zu unterscheiden. Jesus war wahrer Mensch und wahrer Gott. Das heißt, er war genauso göttlich wie der Vater es ist und wie der Heilige Geist, aber er war auf das menschliche Dasein begrenzt. Solange Jesus Mensch war, konnte er nicht überall mit hingehen. Nicht alle Jünger konnten ihn zeitgleich überall mit hinnehmen. Das kennen diejenigen, die mehrere Kinder haben vielleicht. Mama, komm mit mir. Nein, mit mir. Da möchte man sich aufteilen, geht aber nicht.
Solange Jesus also in menschlicher Gestalt unter den Jüngern weilte, konnte er nicht die Herzen aller Menschen gewinnen, weil er wie sie an Zeit und Ort gebunden war. Für den Heiligen Geist gibt es eine solche Begrenzung aber nicht.
Er ist überall bei uns, wohin wir auch gehen, und appelliert allerorts an die Menschen. Mit dem Heiligen Geist erfüllt sich die Verheißung, die Jesus in Matthäus 28,19 gibt: “Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.”
Jesus sagte, der Heilige Geist werde eine ständige Gemeinschaft mit den Menschen eingehen und denen, die das Evangelium verkünden, Kraft verleihen. Dadurch wird ihre Botschaft wirksam, an welchem Ort sie auch predigen.
Und durch den Heiligen Geist, sind wir direkt mit Jesus verbunden. Er ist wie eine Telefonverbindung. Wir sind mit einer Stimme verbunden, die uns führt, tröstet und leitet. Der Heilige Geist flüstert uns Gottes Worte zu, gibt uns Kraft und erinnert uns daran, dass wir nie allein sind. Er ist der unsichtbare Faden, der uns mit dem Herzen Christi verbindet.
Und so sind die Dinge, die wir durch den Heiligen Geist gesagt bekommen, direkt von Jesus. Im Bibeltext lesen wir: “denn was er euch verkünden wird, empfängt er von mir.”
Nun fällt es uns manchmal schwer zu unterscheiden, was vom Heiligen Geist kommt und was unsere eigenen Gedanken sind. Denn, wenn der Heilige Geist in uns wohnt, so sind wir eins mit ihm und er bezeugt unserem Geist die Gotteskindschaft, aber wir sind deshalb nicht der Heilige Geist, sondern noch immer fehlbare Menschen.
Als ich auf dem Berg war und Gott zu mir gesprochen hat, hat er etwas zu mir gesagt. Das, was er sagte, habe ich mit meinem eigenen Denken und Wissen interpretiert. Und dadurch habe ich es zunächst falsch verstanden und daraus sind entsprechend auch falsche Handlungen gefolgt. Erst wesentlich später hat er mir dann an seinem Wort gezeigt, wie er es tatsächlich meinte, und nur dadurch verstand ich es richtig. (Hoffentlich.)
Deshalb brauchen wir Gottes offenbartes Wort in der Bibel. Das ist unsere Richtschnur, an der wir alles prüfen. Wir brauchen die Bibel an dieser Stelle nicht, um zu prüfen, was uns der Heilige Geist offenbart. Denn der Heilige Geist ist der Geist der Wahrheit.
Aber es braucht oft Übung seine Stimme von anderen Stimmen, die auf uns einwirken, zu trennen und Gott zu verstehen. Deshalb ist es so wichtig Bibel zu lesen. Herauszufinden, ob die Gedanken in uns Sinn ergeben. Das kann zu einem Ringen werden, wie der Kampf zwischen Jakob am Jabbok und Gott. Das kann dazu führen, dass wir mit einer Verletzung aus dem Kampf herausgehen, aber auch mit Gottes Segen.
Und ich bin absolut davon überzeugt, dass die Wahrheit gefunden werden kann, wenn sie uns offenbart ist. Denn die Wahrheit ist in der Person Jesu Christi und damit auch im Geist der Wahrheit gegenwärtig. Im Text heißt es: “Wenn der Helfer kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zum vollen Verständnis der Wahrheit führen”. Das ist also möglich.
Und deshalb möchte ich euch zu folgendem ermutigen. Wie einigen sicher aufgefallen ist, habe ich den Bibeltext für heute verkürzt. Ich habe über die Verse 5-7 und 12-15 gesprochen. Lest doch Zuhause mal den gesamten Text nach. Vielleicht sogar aus zwei verschiedenen Bibelübersetzungen.
Denn in den fehlenden Zeilen gibt es sehr klare Aussagen darüber, was genau der Geist in der Welt bewirkt. Und deshalb auch, was wir, wenn wir im Geist sprechen, bewirken werden.
Ich sage euch mal knapp zusammengefasst, was mir der Geist über die Zeit offenbart hat. Es gibt einen Gott. Er will eine Beziehung mit mir. Und ich bin ganz schön im Unrecht mit vielem, was ich denke und sage. Und ich weiß ganz sicher nicht, was gut für mich ist. Gott weiß, was gut für mich ist, weil er mein ganzes Leben kennt. Gott ist absolut vertrauenswürdig, Menschen sind fehlbar. Und deshalb gebe ich mein Leben jeden Tag aufs Neue in seine Hände, anstatt es selbst in die Hand zu nehmen oder mich von der Agenda anderer zu sehr leiten zu lassen. (Das führt übrigens häufiger zu Konflikten mit mir selbst und anderen.)
Gott hat seinen Sohn Jesus Christus am Kreuz für meine Schuld sterben lassen. Und seit ich mit Gott in Beziehung getreten bin, und ihm seither regelmäßig meine Schuld und das Böse in mir bekenne, habe ich einen ständigen, liebevollen Begleiter, der mich auf seinem guten Weg führt.
Und das möchte ich auch dir zusagen, der du Jesus noch nicht kennst oder noch nicht ganz in dein Leben gelassen hast. Da ist jemand, der dich ehrlich kennen lernen will. Der dich begleiten will, bis ins ewige Leben, also über deinen menschlichen Tod hinaus. Ergreif diese Chance und wende dich ihm zu. Er liebt dich ehrlich und von ganzem Herzen so wie du bist. Aber er will nicht, dass du bleibst, wie du bist, sondern dass du wieder mehr Schönheit, Wahrheit und Liebe hast und ganz in seinem Ebenbild lebst. Und er wird dich überreich beschenken.
Mit so eindrücklichen Erlebnissen, wie ich sie mit ihm erlebt habe, mit ganz eigenen persönlichen Wachstumsmomenten und mit seinem Wort, das in deinem Leben lebendig wird, durch den Heiligen Geist in dir und die Menschen um dich herum.
Und manchmal ist das im ersten Moment ein wenig verwirrend und nicht unbedingt so wie wir erwarten.
Ein letztes Bild zum Mitnehmen.
Ich habe, als ich im Zug saß, eine Feder gesehen, die in der Luft schwebte. Sie bewegte sich langsam und sanft nach unten und ich erwartete, dass sie auf dem Boden landen würde. Doch plötzlich machte sie kehrt und schwebte wieder nach oben. Meine Erwartung entsprach nicht der Realität. Ich hatte nur an die Wirkung der Schwerkraft gedacht, aber nicht an den Wind und wohin er weht. Denn der Wind weht, wohin er will. Aber er weht nicht willkürlich, sondern auch er hält sich an Regeln. So ist der Heilige Geist frei, aber nie beliebig. Sein Wirken ist immer im Einklang mit Gottes Wesen und das zu kennen, das ist der Schlüssel, um auch das Wirken des Heiligen Geistes zu verstehen.
Wir dürfen dabei sein wie die Feder. Die Feder schwebt nicht aus eigener Kraft – sie wird getragen. So sind auch wir abhängig vom Geist, der uns führt. Unser Fehler ist oft, dass wir die Richtung vorgeben wollen, weil wir vielleicht auch ein persönliches Ziel im Sinn haben, statt zu vertrauen, dass Gott weiß, wohin der Wind weht. Und manchmal wird man da von Gott ganz schön durchgewirbelt – das kann ich aus den letzten zehn Jahren meines Lebens ganz klar bestätigen. Und nicht alles davon entspricht der Gemeindeetikette. Aber es ist immer gut, was Gott tut, und es hinterlässt Eindruck. Es prägt.
Gottes Prägung, die kann man nur schwer vergessen, die hat Bestand. Und vielleicht ist sie das, was andere dann in uns sehen, und damit auch in sich selbst die Ebenbildlichkeit Gottes erkennen können. Die Dinge, die Gott tut, sind Wahrheit, sie haben Bestand, sie sind a-letheia – unvergesslich. Lasst uns uns nach dieser Wahrheit ausstrecken.
Amen.