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Die letzte Etappe

Plötzlich ist Mai 2026.

Im Oktober 2023 habe ich mit meinem Studium in Elstal an der Theologischen Hochschule begonnen und jetzt ist das schon wieder fast drei Jahre her. Da möchte ich den viel gesagten Spruch meiner Großeltern "Wie die Zeit vergeht.." rausholen, doch ich lasse ihn lieber in meiner Tasche stecken. Die Zeit vergeht; manchmal nicht schnell genug und manchmal viel zu schnell. 

Die Zeit auf dem Campus in Elstal hat mich auf vielfältige Weise bereichert. Da war zum einen das Studium selbst, das mich in Berührung gebracht hat mit tiefgreifenden Themen und spannenden Diskussionen. Das Studium, das mich aber auch an meine Grenzen brachte und mich fragen ließ, ob das wirklich mein Weg ist. Wo ich von Menschen gelehrt wurde, von denen ich viel lernen konnte; das mich aber auch die Fachkompetenz des ein oder anderen infrage stellen ließ.

 

Vor meinem Studium wurde ich von einigen Menschen darauf hingewiesen, dass ich besser nicht nach Elstal gehen sollte. Gründe dafür waren die zu liberale Theologie und die Unflexibilität für Menschen mit Familie.

Ich kann ehrlich sagen, dass mir Manches auf dem Campus zu liberal gehandhabt wurde, und dass ich manche Unflexibilität in Bezug auf andere Themen erlebt habe. Ich kann aber auch sagen, dass im Studium vor allem der Raum gegeben wurde sich eine eigene Meinung zu Themen zu bilden und dass einige Mitstudierende, die aus einem sehr engen Rahmen kamen das als befreiend empfanden. Bei mir ist es ja eher anders herum, dass ich aus einem sehr freien (nicht-christlichen) Rahmen komme.

 

Und ich finde es sehr spannend, wie sich allgemein innerkirchlich Themen in eine Richtung entwickeln, die ich aus meiner vor-christlichen Zeit kenne. Dadurch kann ich sie auch als solche identifizieren und markieren.

Nicht alles, was in baptistischen Kreisen getan und gesagt wird, entspricht leider einer gesunden Lehre. Viele Probleme, die wir haben, haben wir selbst verursacht. Manches wird nicht ernst genug genommen.

Über alles hat Gott aber trotzdem seine Hand.

 

Ich habe wirklich einige sehr gute Lehrer gehabt, die mich mit ihren Ausführungen und Gedanken in theologischen Themen weiter brachten als ich es allein gekommen wäre.

Als alleinerziehende Mutter habe ich ein großes Entgegenkommen und viel Unterstützung auf dem Campus erlebt. Ich weiß aber auch von Mitstudierenden, die sehr unter Einsamkeit litten und unzufrieden mit der Gemeinschaft und Spiritualität sowie dem Campusleben waren.

So scheint mir der Bildungscampus ein Ort zu sein, an dem man beides findet - Licht und Schatten. Und ich halte daher eine generell verurteilende und ablehnende Haltung für ebenso problematisch wie eine Beliebigkeit, die behauptet es wäre alles egal.

Ich möchte an dieser Stelle an folgendes Gleichnis von Jesus erinnern:

 

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen

 

24 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Das Reich der Himmel gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen und ging davon. 26 Als nun die Saat wuchs und Frucht ansetzte, da zeigte sich auch das Unkraut. 27 Und die Knechte des Hausherrn traten herzu und sprachen zu ihm: Herr, hast du nicht guten Samen in deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?

28 Er aber sprach zu ihnen: Das hat der Feind getan! Da sagten die Knechte zu ihm: Willst du nun, dass wir hingehen und es zusammenlesen? 29 Er aber sprach: Nein!, damit ihr nicht beim Zusammenlesen des Unkrauts zugleich mit ihm den Weizen ausreißt. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte, und zur Zeit der Ernte will ich den Schnittern sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, dass man es verbrenne; den Weizen aber sammelt in meine Scheune!

 

Matthäus 13,24-30

 

Hätte es den Studiengang in Elstal nicht gegeben, wäre ich nicht an dem Punkt, an dem ich jetzt bin. Und ein Bekannter meinte einmal, dass ihm beispielsweise das Studium der Evangelischen Theologie an der Universität sehr geholfen habe, um sich in seiner Identität zu festigen und von den anderen Glaubensüberzeugungen abzugrenzen.

Haben wir ein wenig Vertrauen, dass Gott die Menschen auf ihren Wegen in der Hand hat und dass er allen die Gelegenheit gibt, seinen Weg zu gehen.

 

Ich kann den Masterstudiengang Diakonie und Sozialtheologie für Menschen empfehlen, die bereits Gemeinde- und Glaubenserfahrung haben und nun einen konkreten nächsten Schritt aus dem ehrenamtlichen Dienst zur hauptamtlichen Person in Gemeinde als Diakonin oder Diakon gehen wollen.

 

Menschen, die neu im Glauben oder noch nicht fest in ihren Überzeugungen sind, sollten meiner Meinung nach erstmal eine Bibelschule wie das Forum Wiedenest oder das Glaubenszentrum Bad Gandersheim besuchen, um eine gute biblische Glaubensgrundlage zu legen. Auf dieser Grundlage kann der theologische Horizont dann erweitert werden. Lebenserfahrung ist etwas, das einem in der Gemeindearbeit generell zugute kommt.

 

Seit Neustem gibt es auch den Weiterbildungsmaster Theologie und innovative Gemeindeentwicklung in Elstal. Dieser scheint mir vor allem für diejenigen geeignet, die in eine weniger diakonische Richtung gehen, aber trotzdem nicht klassisches evangelische Theologie studieren wollen.

 

Was kommt nun?

Ich darf mein Studium noch mit meiner Masterarbeit beenden. Diese will ich zum Thema "Gemeindezucht als diakonische Aufgabe" schreiben und mich mit diesem sehr zwiespältig betrachteten Thema auseinander setzen. Ich höre, dass Gemeinde entweder sehr eng und schnell züchtigen oder gar nicht. Gibt es da nicht eine gesunde Mitte? Und warum geht es eigentlich dann immer nur um Sexualität und nie um Zorn und Habgier? Vieles versteckt sich dahinter und ich freue mich schon jetzt tiefer in dieses Thema einzusteigen.

 

Und wohin es beruflich danach für mich geht, werden wir sehen. Vielleicht mach ich dann auch einfach etwas anderes wie Medizin studieren. *scherz*